Projekte

Christiane Ackermann: ‘Autor | Körper | Subjekt. Untersuchungen zum Parzival Wolframs von Eschenbach und zum Frauendienst Ulrichs von Liechtenstein’ (abgeschlossen)

Der Autor ist nicht gleich der Erzähler und auch nicht das sich im Text äußernde Ich. Die Literaturwissenschaft hat dies schon längst für neuzeitliche Texte festgestellt. Doch wie verhält es sich mit einem Ich, das sich in der mittelalterlichen Dichtung selbst beim Namen nennt? Welchem Subjekt gehört der in Szene gesetzte Körper an, auf den das (scheinbar biographische) Ich als seinen eigenen verweist, der aber nach den Regeln höfischer Literatur zugerichtet wird? Diese Fragen drängen sich in Wolframs von Eschenbach Parzival und Ulrichs von Liechtenstein fiktiver Autobiographie Frauendienst geradezu auf. Der Blick auf das Selbstverständnis des Ich in diesen Texten eröffnet ein Diskussionsfeld, das nicht nur eine Untersuchung des Autors und Erzählers, sondern auch der Darstellung des Körpers sowie der Position des Weiblichen erfordert. Denn in jenen Passagen, in denen der Erzähler/Autor in ganz eigener Weise hervortritt, erscheint der Körper als fragmentarischer, während dem Weiblichen eine zentrale und simultan marginale Rolle zukommt.
Dem Dissertationsprojekt dienen die formulierten Fragen als Ausgangspunkt, um eine Neubestimmung des Verhältnisses von Autor, Körper, Subjekt und Weiblichkeit in mittelalterlicher Literatur zu versuchen. Ein semiotisch-psychoanalytischer Ansatz scheint für die Untersuchung der angedeuteten Zusammenhänge besonders geeignet, da in diesem theoretischen Feld Methoden erarbeitet wurden, die in Frage stehenden Phänomene zu charakterisieren: Ihr Verhältnis soll u.a. in kritischer Auseinandersetzungen mit Arbeiten Roland Barthes, Jacques Lacans sowie Elisabeth Bronfens ausgelotet werden.
Die Leistungsfähigkeit psychoanalytischer Konzeptionen für die Interpretation mittelalterlicher Literatur ist äußerst umstritten. Daher wird die Arbeit die bisherige Forschung zu Mediävistik und Psychoanalyse darlegen sowie darüber hinaus weisende Perspektiven aufzeigen, die ein psychoanalytisch-semiotischer Ansatz für das Verständnis mittelalterliche Literatur eröffnen kann. In diesem Zusammenhang ist ferner zu diskutieren, ob von Subjektivität im Mittelalter überhaupt sinnvoll die Rede sein kann.

 

Astrid Breith: ‘Schreiberin, Kompilatorin und Autorin? Die Legendenredaktion der Schreibmeisterin Regula aus Kloster Lichtenthal’ (abgeschlossen)

Im Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal bei Baden-Baden sind in den Jahren 1450–1470 zehn Codices entstanden, die der Hand der damaligen Schreibmeisterin Regula zugeschrieben werden. Vor dem Hintergrund der anstehenden Klosterreform stellte sie unter anderem mehrere Legendensammlungen zusammen, aus welchen bei den gemeinschaftlichen klösterlichen Mahlzeiten vorgelesen wurde. Im Zentrum meiner Dissertation steht das buoch von den heilgen megden und frowen (Badische Landesbibliothek Karlsruhe, L 69), eine Zusammenstellung von Legenden weiblicher Heiliger, der die Schreiberin ein mehrseitiges Vorwort voranstellt, in welchem sie die Stellung der heiligen Jungfrauen innerhalb der Kirche darlegt und theologisch fundamentiert. Ob dieser Text von der Schreibmeisterin selbst zusammengestellt worden ist, bzw. welche Quellen ihr hierfür zur Verfügung standen ist bisher nicht genauer untersucht worden. Das Textbild der Regula zugeschriebenen Handschriften zeigt zahlreiche Korrekturen und läßt erkennen, daß die Schreiberin stets mehrere Durchgänge durch die erstellten Texte vorgenommen hat. Diese Korrekturen sollen im Zentrum der Dissertation stehen: Kann man aus diesen Textbesserungen eine redaktionelle Zielrichtung herausschälen, und wenn ja, wie sieht diese aus und mit welchen textstrategischen Mitteln verfolgt Regula dieses Ziel? Desweiteren: Was erzählen diese Korrekturen über Regulas Umgang mit den ihr vorliegenden Quellen (soweit diese erschließbar sind)? Lassen sich aus dem schöpferischen Umgang mit Gebrauchsliteratur Schlüsse darüber ziehen, was Schreiben, bzw. Schreibverbote für Regula und darüber hinaus für die Klostergemeinschaft bedeutete? Neben der inhaltlichen Arbeit soll die Edition einiger Legenden Teil der Dissetation sein.

 

Verena Dehmer: ‘Die Rezeption der biologischen Schriften des Aristoteles in Spanien im 13. und 14. Jahrhundert’ (abgeschlossen)

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen naturkundliche Texte vor allem aus den Bereichen Zoologie und Botanik. Ausgehend vom ‘Physiologus’ interessiert die Frage, in welchem Verhältnis naturwissenschaftliche Erkenntnis und theologisch motivierte Interpretation zueinander stehen. Allegorische Denkstrukturen liegen dem Beginn der Naturbetrachtung zugrunde, und es ist zu fragen, in welcher Weise sich das Interesse am Gegenstand im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelte hin zu einem eigenständigen naturwissenschaftlichen Selbstverständnis. Der Beginn dieses Loslösungsprozesses aus dem Rahmen der Theologie heraus fällt zusammen mit dem zögerlichen Einsatz der Volkssprache in den Wissenschaften.
Für die iberoromanischen Texte werden für den Untersuchungszeitraum vom restlichen Abendland abweichende Rahmenbedingungen festgestellt, die aus dem jahrhundertelangen Zusammenleben mit einer arabischsprachigen Hochkultur resultieren. Die iberische Halbinsel hat so gut wie keinen Anteil an der lateinischen Tradition Resteuropas genommen, sondern hat eigene Wege beschritten. Folgende kastilische Texte sind ins Auge gefasst worden: ‘Lucidario’, eine kastilische ‘De Animalibus’-Version, ‘La vision delectable’ von Alfonso de la Torre und ein ‘Macer herbolario’.

 

Cora Dietl: Edition des dramatischen Werks Wolfgang Schmeltzls

Wolfgang Schmeltzl aus Kemnath/Oberpfalz war von ca. 1540–61 Lehrer am Wiener Schottenstift und hat dort sieben biblische Dramen verfasst, die zu den herausragenden Beispielen des gegenreformatorischen Schuldramas in Österreich zählen. Die Spiele liegen bisher nur in einer Auswahledition aus dem Jahr 1915 und z. T. noch in Einzeleditionen aus den 1940er und 1950er Jahren vor, die allerdings modernen Anforderungen an eine Edition nicht mehr genügen. In Zusammenarbeit mit Manfred Knedlik soll bis 2008 eine Neuedition der Dramen von Wolfgang Schmeltzl unternommen werden, die in der Reihe "Wiener Neudrucke" erscheinen wird. 

 

Gudrun Felder: Kommentar zur "Crône" Heinrichs von dem Türlin’ (abgeschlossen, erschienen bei de Gruyter 8/2006)

Der Stellenkommentar schließt eine Lücke der Forschung, , die seit einigen Jahrzehnten den ca. 1220 verfaßten Artusroman des österreichischen Autors wiederentdeckt. Er versteht sich als Hilfsmittel für das eigentliche Textverständnis, indem er auf Textkritik und Verständnisprobleme an Einzelstellen eingeht, Hinweise auf Motiv- und Themenverbindungen innerhalb des Romans sowie mit der Literatur seiner Zeit gibt und relevante Realia erläutert. Zu Interpretationsproblemen werden Forschungsberichte gegeben. Schwerpunkte liegen auf der Gliederung des 30000 Verse umfassenden Romans und im stilistischen Bereich, vor allem im Hinblick auf die ausgezeichneten französischen Sprachkenntnisse des Autors sowie seinen ausgeprägten Sinn für sentenzenhaftes und bildreiches Erzählen.. Der weiteren Erschließung dienen zudem ein ausführliches Verzeichnis der Eigennamen sowie ein Sach- und ein Autoren- und Werkregister.

 

Annette Gerok-Reiter: Räume der Angst in narrativen Texten zwischen Mittelalter und früher Neuzeit. Wissensspiegelungen, Umbewertungen und Neukonzeptionen.

Im Zuge der Rationalisierungsbestrebungen des 12. Jahrhunderts wird innerhalb des theologisch-philosophischen Diskurses in vielfältiger Weise versucht, die Angst als Bestandteil des Menschen zu reflektieren und adäquate Bewältigungsformen im Umgang mit ihr anzubieten. Dieses vielfältig ansetzende Wissen um das Phänomen der Angst stößt im Bereich der mittelhochdeutschen Epen, in deren Zentrum der ideale, angstlose Held steht, auf hartnäckige Widerstände. Dennoch erweist sich auf der Ebene eines Subtextes die Angst als subtiles Prinzip der Figurensteuerung, das einerseits die Angstszenarien der Zeit auffängt und modifiziert, andererseits mehr und mehr in den impliziten Rezeptionsanweisungen für den Hörer/Leser zu einem Medium der Einübung von Angstgefühlen und Angstbewältigung wird. Das Vorhaben setzt sich zur Aufgabe, über lexikalische, semantische und narrativ-funktionale Analysen zu verfolgen, inwiefern der mittelalterliche und frühneuzeitliche Roman in seinem literarhistorischen Prozess in einem doppelten Sinn Wissensbestände der Angst spiegelt und zugleich Ausdifferenzierungen dieses Wissens produziert. So ist darzulegen, wie die Literatur sich zunehmend als Reflexionsmedium anbietet, das nicht nur am tradierten Wissen über Angst partizipiert, sondern ebenso neue Organisationsformen entwirft, die den spezifischen Wechselbezug von Angst, seelisch erweitertem Innenraum und neuen Erfahrungsmöglichkeiten zur Anschauung bringen, bis dahin dass die Angst - insbesondere im frühen Prosaroman - als Promotor von Aufbruchssituationen, neuer Welterfahrung und Entdeckungsmöglichkeiten einen produktiven Funktionswert erhält, damit zugleich Qualitäten des Innenraumes in Konnexion gesetzt werden zu einer neuen Dimensionierung des Außenraumes.

 

Julia Gold: 'Von den vnholden oder hexen'. Der frühneuhochdeutsche "Hexen"-Traktat des Ulrich Molitoris

Bericht folgt.


Sibylle Hallik: ‘Sentenz und Sprichwort in Lehrbüchern der Antike und des Mittelalters’ (abgeschlossen)

In Sprichwörtern und Sentenzen werden kulturelle Wissenskomplexe brennpunktartig zusammengefaßt, vielfach in kunstvoll gestalteter Form. Die Erforschung der abendländischen Sprichwort und Sentenzentradition wird gegenwärtig intensiv vorangetrieben. Es fehlt jedoch eine Präzisierung dessen, was innerhalb der rhetorischen und poetologischen Theorienbildung unter proverbium, sententia und ähnlichen Bezeichnungen verstanden wurde. Gegenstand des Promotionsvorhabens ist die begriffsgeschichtliche Aufarbeitung der Auffassungen zu Sentenzen und Sprichwörtern in antiken und mittelalterlichen lateinischen Quellen (4. Jh. v. Chr.  13. Jh.), soweit sie für die Abfassung mittelalterlicher Texte relevant gewesen sein mögen. Dies bedeutet die Berücksichtigung folgender Typen von Lehrbüchern: Rhetoriken (artes rhetoricae), Figurentraktate, Grammatiken (artes grammaticae), Poetiken (artes poetriae), Kommentarliteratur, Werke von Vertretern der Lexikographie, Brieflehren (artes dictaminis) und Predigtlehren (artes praedicandi). Die Zusammenstellung der aus der Antike stammenden Quellen ist von der Frage geleitet, ob das entsprechende Werk im Mittelalter, vor allem jedoch im Hochmittelalter (11.13. Jh.) bekannt war und rezipiert wurde.
 Erst aufgrund dieser Klärung des Begriffsfeldes wird es möglich sein zu bestimmen, in welcher Art und in welchem Umfang solche Theoreme Grundlage und Ansatzpunkt für die Verwendung von proverbium und sententia in der volkssprachigen Laienkultur geworden sind.
Auf der Basis des diachron ausgerichteten ersten Teils sollen die aufgefundenen Aspekte in einem zweiten Schritt systematisiert werden (Definitionen, Genera, Funktionen, Verwendung im Zusammenhang mit Argumentationsschemata etc.), um ein Instrumentarium zur Analyse mittelalterlicher Texte zu gewinnen.
Im dritten Teil der Arbeit gilt es, einen Vergleich zwischen Theorie und konkreter Verwendung von Sprichwörtern und Sentenzen in ausgewählten volkssprachigen literarischen Texten anzustellen und das Analyseinstrumentarium an diesen Beispielen zu erproben, wobei eine funktionale, auf die Argumentationsstruktur des Textes ausgerichtete Untersuchung wohl die für die Interpretation interessantesten Resultate verspricht. In diesem Zusammenhang ist zusätzlich auf Methoden der Textlinguistik und der Diskursanalyse zurückzugreifen.

 

Pamela Kalning: ‘Kriegslehren in deutschsprachigen Texten um 1400 (Seffner, Rothe, Wittenwiler)’ (abgeschlossen, erschienen bei Waxmann)

Die Arbeit hat die Darstellung von Kriegslehren bei Johann Seffner, Johannes Rothe und Heinrich Wittenwiler zum Thema. Ich will auf der Basis des Wissens um die Inhalte und Darstellungswege von Kriegslehren im 14. und 15. Jahrhundert (Giovanni da Legnanos „De bello, de Repressaliis et de Duello“, Honoré Bonets „L’Arbre des Batailles“) Johann Seffners „Ain ler von den streitten“, Johannes Rothes „Ritterspiegel“ und die Spezifika der Darstellung von Kriegslehren bei Wittenwiler beleuchten. Während sich die Sekundärliteratur sonst vorwiegend mit der Rolle der Kriegsparteien und deren Bewertung, sowie mit der Frage nach einer Entwicklung Bertschis beschäftigt hat, geht es in meiner Arbeit um die Verschränkung von Lehre und Erzählung im dritten Teil des Ringes. Ich vertrete die These, dass sich der „Ring“ gegen moralisierende Gesamtinterpretationen sperrt, und tatsächlich nur ein spielerischer Umgang mit gelehrtem Wissen intendiert ist. Nicht Vermittlung von Wissen steht im Vordergrund, sondern die Darstellung von Wissen, vielleicht für andere Personen, die den Bildungshintergrund und die gesellschaftstheoretischen Prämissen des Autors teilen.

 

Matthias Kirchhoff: ‘Gedächtnisbildung. Wandel und Funktion von Memoria im Nürnberg des 15. und 16. Jahrhunderts’ (abgeschlossen)

Anhand der ausgewählten Fallstudien soll nicht nur der Wandel von "spätmittelalterlichen" zu "frühneuzeitlichen" Memoriakonzeptionen belegt bzw. hinterfragt werden: Es wird außerdem versucht, einen möglichst repräsentativen "Querschnitt" durch die Nürnberger Stadtgesellschaft zu bieten und jeweils die konkreten Anliegen des Einzelnen oder einer sozialen Gruppierung zu betrachten. Oftmals erweist sich, dass nicht eigentlich die Erinnerung Verstorbener das Anliegen eines Textes oder Bildwerks ist, sondern vielmehr gesellschaftliche Emanzipation, Selbstdarstellung, mitunter harsche Gesellschaftskritik oder Machtinteressen im Mittelpunkt stehen.

 

Lea Kohlmeyer: Mechthild von Magdeburg – Mystikerin und Autorin. Die Konzeption und Darstellung der menschlichen Seele im "Fließenden Licht der Gottheit"

Bei der Darstellung der Seele im Werk der deutschen Mystikerin ist zwischen dem immateriellen Teil des Menschen und zwischen der Seele als Gesprächspartnerin Gottes bzw. als sprechendem Ich zu unterscheiden. Nachdem die Seele in einer vorausgegangenen Untersuchung in ihrer Funktion als „Lebensfunke“ dargestellt wurde, soll nun ihre Rolle als Erlebende und Erzählende betrachtet werden. In der Funktion des Sprecher-Ichs und als Dialogpartnerin Gottes stellt sie – als personifiziertes Abstraktum – eine wichtige Größe im gesamten Werk Mechthilds dar. Ziel des Projekts über eine genaue Analyse ausgewählter Textstellen hinaus ist auch die Beantwortung der Frage, ob sich dieses Ich im „Fließenden Licht“, das – so wird vermutet – nicht mit der immateriellen Seele identisch ist, näher bestimmen lässt. Ohne genauere Analyse bleibt die Seele des „Fließenden Lichts“ in ihrer Rolle als Sprecher-Ich jedoch lediglich in die Nähe von Mechthilds Konzeption einer Autorinnenrolle gerückt. Der Eindruck einer Verschränkung von erzählendem Ich und Autorin ist begründet in Mechthilds Konzeption des Gesamtwerkes. An mehreren Stellen bezeichnet sie sich als „Ko-Autorin“ Gottes; die Autorin macht sich damit selbst zum Gegenstand ihres Textes. Sie wird zum „Sprachrohr“ Gottes, und dennoch erhält Mechthild die Freiheit der sprachlichen Gestaltung, kann bei der Verschriftlichung der göttlichen Offenbarung ihr Talent entfalten. Der Text, der mit dem „Fließenden Licht“ vorliegt, stellt das Ergebnis eines Dreischritts dar, der aus dem Erfahren und Erleben, aus der Reflexion dieser Erlebnisse und aus der anschließenden literarischen Extrapolation besteht.
Für die Beantwortung der Frage nach dem sprechenden Ich ist die Erweiterung des Betrachtungsfeldes sinnvoll: So soll der Aspekt der Subjektivität hinzugezogen werden. Eine weitere zu betrachtende Kategorie ist diejenige der Individualität bzw. der Personalität, die eng mit den Themen „Verfasserbewusstsein“ und „Autorschaft“ verbunden ist. Weiter ist der Komplex des autobiographischen Schreibens mit seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten hinzuzuziehen.Die sprachliche und stilistisch-formale Darstellung ist in die Betrachtung des sprechenden Ichs bzw. der menschlichen Seele in ihrer besonderen Rolle im „Fließenden Licht“ einzubeziehen, stellt Sprache doch auch für Mechthild ein wichtiges Thema dar. Entsprechend soll auch die formale Gestaltung der auszuwählenden Textstellen untersucht und beschrieben werden, um etwa mögliche sprachlich-stilistische Unterschiede sowie das Verhältnis von Form und Inhalt in Mechthilds Darstellung der Seele herauszuarbeiten.
Die Untersuchung der Fragestellung wird aus der Perspektive der germanistischen Mediävistik vorgenommen; der methodische Zugang wird hier ein rein philologischer, textimmanenter sein, der sich an der Terminologie des „Fließenden Lichts“  orientiert.

 

Carsten Kottmann: ‘Das Buch der ewangelii und episteln durch das iar. Studien zur Überlieferung und Gebrauchsfunktion früher südwestdeutscher Perikopenhandschriften’ (abgeschlossen)

Innerhalb der deutschen Bibelübersetzung des Mittelalters wurden die deutschen Perikopenhandschriften bisher zu wenig in den Blick genommen. Das Projekt versucht, die südwestdeutsche Überlieferung des 14./15. Jahrhunderts zu ordnen bzw. Kriterien für deren Ordnung zu erarbeiten. Gesichtspunkte, unter denen die südwestdeutschen Perikopenhandschriften kategorisiert werden sollen, sind sprachliche, liturgische sowie gebrauchsfunktionale (Benutzerspuren, Provenienz, Produktionskontext etc.). Dazu werden aus dem Handschriftencorpus von ca. 60 Handschriften bestimmte Perikopen verglichen, um erste Hinweise auf Zusammenhänge zu gewinnen; diesen muss dann nachfolgend weiter nachgegangen werden. Dabei soll über eine Ordnung nach Traditionszusammenhängen eine Einteilung in verschiedene Typen von Perikopenhandschriften angestrebt werden, die auch dem Phänomen der intensiven Kompilation in diesen Handschriften gerecht zu werden versucht. Am Schluss können Fragestellungen z. B. nach regi! onalen oder soziologischen Konzentrationen der Produktion von Perikopenhandschriften näher untersucht werden; zudem auch die Produktion von deutschen Bibelübersetzungen im Kontext der Liturgie sowie genauer der performative Gebrauch von deutschen Perikopenhandschriften (Messe, Tischlesung, Schule, ...?)

 

Franziska Küenzlen: Eilhart von Oberg: Tristrand

Ziel der Arbeit ist es, anhand von eingehenden Figurenanalysen neue Interpretationsansätze auszutesten und so zu einer von Gottfrieds Tristanroman unabhängigen Würdigung von Eilharts Fassung zu gelangen.

 

Henrike Lähnemann: ‘Hystoria Judith. Deutsche Judithdichtungen vom 12. bis 16. Jahrhundert’ (Habilitationsschrift, erschienen 2006)

Das Habilitationsprojekt geht von einem Textkorpus mittelhochdeutscher Judith-Dichtungen aus, die im Vergleich mit anderen mittelalterlichen Bearbeitungen des Stoffes untersucht werden. Die Arbeit soll einerseits für einzelne Werke eingehende Textanalysen bieten, zum anderen grundsätzliche Probleme von Bibeldichtung unter dem Blickpunkt des in ihr vermittelten Wissens und der Einbindung in die Überlieferung behandeln. Darum werden auch die bildlichen Darstellungen des Themas in Handschriften und in selbständigen Zeugnissen einbezogen, es wird die Tradition der Einbindung der Figur der Judith in verschiedene Konstellationen (typologische Beziehung zu Maria; Reihe der Weiberlisten; Liste berühmter Frauen) studiert und auf ihre exemplarischen oder misogynen Assoziationen hin untersucht.
Weitere Informationen unter
http://homepages.uni-tuebingen.de/henrike.laehnemann/

 

Andres Laubinger: ‘Die 43 Gespräche des Erhart Groß. Elektronische Edition und Untersuchungen‘ (Arbeitstitel)

Das Dissertationsvorhaben widmet sich einem bislang wenig beachteten, weil unpublizierten Text aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In seinen aufwändig gestalteten '43 Gesprächen' (cgm 623) handelt der Nürnberger Kartäuser Erhart Groß dogmatische Fragen in katechetisch aufbereiteten Unterhaltungen der Klosterbrüder ab. Inhaltlich ist der Text damit ein zentrales Beispiel für die trotz ihrer Bedeutung noch immer unzureichend erschlossene spätmittelalterliche Laiendidaxe. Die lehrhafte Vermittlung der geistlichen Gegenstände durch ihre literarische Behandlung in Gesprächsrunden ist zugleich neuartig, sie verleiht dem Text eine im Umfeld didaktischer Gattungen exponierte Stellung durch seine Struktur. Mit den ‚43 Gesprächen' entsteht eine neue, im Anschluss an die Terminologie der Klostervorschriften vorläufig als ‚collationes' zu bezeichnende Textart didaktischer Prägung. Das Projekt verfolgt das Vorhaben, an ihr wesentliche Aufschlüsse über die Wirkungsabsichten, Wirkungsweise und - bedingungen spätmittelalterlicher Didaxe aus einer Untersuchung der Strukturen der ‚43 Gespräche' zu gewinnen, welche in einer elektronischen Edition des Textes aufgezeigt und zugänglich gemacht werden sollen.
Die elektronische Auszeichnung des Textes bildet Grundlage und Ausgangspunkt der Untersuchungen, indem sie den gezielten Zugriff auf dessen Strukturen ermöglicht. Zum Beispiel im Vergleich mit dem wohl als Vorstudie anzusprechenden lateinischen 'Tractatus brevis de sacramento eucharistiae' (clm 14952) kann die Analyse der Textstrukturen am Beispiel der Eucharistie aufzeigen, wie und ob durch die Transformation von katechetischen Inhalten in die Gesprächsform didaktische Möglichkeiten realisiert werden. Erscheint das Material schlicht auf verschiedene Sprecher verteilt oder lassen sich appellative und rhetorische Strukturen der Gesprächsführung feststellen? Der dabei zu analysierende Gebrauch der unterschiedlichen Elemente von Gesprächsführung und ihrer Verteilung auf die Rednerrollen steht einerseits in der Tradition des Lehrdialogs, unterscheidet sich von dessen magistraler Gesprächsstruktur jedoch vermutlich durch einen epagogischen Charakter der Unterhaltung. Möglicherweise rührt dieser aus der Tradition der monastischen consuetudines andererseits. Explizit genannt als des "karthewser ordens gewohnheit", situieren die ‚consuetudines' die '43 Gespräche', formieren zugleich aber auch als Entstehungskontext des Werkes. Zweifellos positioniert sich die Nürnberger Kartause damit in doppelter Hinsicht gegenüber dem weltlichen Rezipientenkreis. Wenn so aus einem explizit auf die Schriftkultur bezogenen Orden heraus gerade das Gespräch zum zentralen Medium für die Vermittlung geistlicher Inhalte wird, verdient die Reflexion auf die Medialität des Textes besondere Beachtung. Die Möglichkeiten der Handschrift scheinen nicht nur in Initialen oder rubrizierten Namen der Sprecher sehr bewusst eingesetzt. Dass etwa mit Lauftiteln ein dem schriftlichen Medium spezifischer Zugriff über die Paginierung gewählt wird, den die fingierte Mündlichkeit des Gesprächs verweigert, deutet vielmehr darauf hin, dass gerade der in den ‚43 Gesprächen' inszenierte Medienwandel einer verschriftlichten Mündlichkeit gezielt zu didaktischen Zwecken gebraucht wird. Wie steuern solche Charakteristika von Mündlichkeit und Schriftlichkeit den Rezipienten beim intendierten Verstehensprozess? Aufzuzeigen, in welcher Weise sich aus einem spezifischen Entstehungskontext heraus damit eine neuartige didaktische Textform konstituiert, ist Absicht der Untersuchungen. Die Frage nach den kontextualisierten medienspezifischen Möglichkeiten einer didaktischen Vermittlung soll schließlich auch für die elektronische Edition der '43 Gespräche' fruchtbar werden.

 

Sandra Linden: ‘Anthropologisch-psychologische Reflexionen in der mittelalterlichen Literatur’ (Habilitationsprojekt)

Die Literatur ist in den vergangenen Jahren zu einem der vielschichtigsten Quellenbereiche avanciert, auf den die historische Anthropologie in ihrem Bemühen um eine Archäologie vergangener Verhaltensmuster und Vorstellungsinhalte zugreift. Es ist jedoch nicht leicht zu rekonstruieren, welches allgemeine Menschenbild und welches Verständnis von den psychologischen Abläufen im Menschen hinter mittelalterlichen Darstellungen liegen und wie diese poetisch vermittelt werden. Das Projekt zielt darauf, die diskursive Verschränkung mittelalterlicher Aussagen über den Menschen und sein Inneres vom Zentrum eines literarischen Corpus her aufzuschlüsseln, die Rezeption vorhandener Wissenspositionen sowie ihre produktive Fortschreibung im volkssprachigen literarischen Medium zu identifizieren. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Gattung des höfischen Romans, in der die Kommentarstruktur der Exkurse als bevorzugter Ort für anthropologische Überlegungen erscheint: Chrétiens de Troyes ›Yvain‹, Hartmanns von Aue ›Iwein‹ sowie der ›Tristan‹ Gottfrieds von Straßburg liefern Zeugnisse um die Wende vom 12. zum 13. Jh., der ›Reinfried von Braunschweig‹ und Johanns von Würzburg ›Wilhelm von Österreich geben Auskunft über die folgende Jahrhundertwende.
Das Corpus wird durch weitere literarische Gattungen wie vor allem den Sangspruch oder allgemein reflektierende Lieder des Minnesangs ergänzt, um zu analysieren, wie sich die reflektierenden Passagen in einen allgemeinen, gattungsübergreifenden Diskurs über den Mensch einschreiben. Da für jeden der fünf Romanautoren eine lateinische Bildung vorauszusetzen ist, nimmt auch die Rezeption gelehrten Wissens eine wichtige Rolle ein. Die von Autoren wie Wilhelm von St. Thierry oder Hugo von St. Viktor im 12. Jh. begonnene und durch die Rezeption von Aristoteles' ›De anima‹ und ›Physik‹ im 13. Jh. intensivierte Beschäftigung der Wissenschaft mit der Frage Quid est homo? wird für das Verständnis der volkssprachigen literarischen Texte fruchtbar gemacht.
Der inhaltliche Zugriff auf die anthropologischen Reflexionen des höfischen Romans wird ergänzt durch einen poetologischen: Es soll eine Poetik der Reflexion formuliert werden, mit der die besondere Ästhetik, die durch das Zusammenspiel von lehrhaft-wissenschaftlichen und poetisch-unterhaltenden Aspekten in den Reflexionen entsteht, erschlossen werden kann.

 

Cordula Michael: ‘Verwerfungen in der Erzählstruktur des Ehebruchschwanks. Eine stoffvergleichende Untersuchung der Erzählweise von Mären.’ (Arbeitstitel)

Bericht folgt!

 

Anna Mühlherr: ‘Maria in mittelhochdeutscher Literatur – Studien zu ausgewählten Gattungen’ (Habilitationsschrift, abgeschlossen)

Gegenstand des ersten Teils der Arbeit sind volkssprachliche geistliche Dichtungen des 12. Jahrhunderts, die ganz oder zu einem wesentlichen Teil auf Maria ausgerichtet sind (Vorauer Marienlob, Vorauer Sündenklage, Arnsteiner Mariendichtung, Melker Marienlied, Mariensequenz aus Muri). Beobachtet werden an den Texten, die der Phase der Implementierung deutschsprachiger Mariendichtung zugehören, neben den je spezifischen Schwerpunktsetzungen Strategien wie Verständnisabsicherungen, Abstufung der Aussageebenen etc. – Abschließend wird der Leich Walthers von der Vogelweide vor dem Hintergrund des Erarbeiteten untersucht.Der zweite Teil behandelt die Marienmirakelsammlung des Alten Passionals als repräsentative volkssprachliche Sammlung in diesem Gattungsbereich. Gefragt wird danach, wie die divergierenden Funktionen der Texte gegeneinander abzuwägen sind.

 

Monika Müller: Darstellungen von Emotionen in der mittelalterlichen Kunst des 9.-14. Jahrhunderts 

Bericht folgt!

 

Rebekka Nöcker: ‘Fabel und Sprichwort im Spätmittelalter. Untersuchungen zur Gattungssymbiose und ihrer wissensvermittelnden Funktion’

Meine Dissertation setzt sich zum Ziel, die vielfältigen funktionalen Beziehungen von Fabel und Sprichwort im Bereich des spätmittelalterlichen Schulunterrichts und der spätmittelalterlichen Predigt darzustellen. Es ist dabei ein besonderes Anliegen, einerseits die Gattungs- und Textsymbiose zu durchleuchten, andererseits zugleich die Leistung beider Genres als wissensvermittelnde Literatur aufzuzeigen. Untersucht wird die Funktionalisierung von Sprichwort und Fabel als Träger von Erfahrungs- und Orientierungswissen sowie die hierdurch indizierten Formen der Wissensvermittlung und Wissensorganisation in literarischen Gebrauchssituationen.

 

Michael Rupp: Deutsche Handschriften aus der Klosterbibliothek Altzelle. Zur Geschichte volkssprachlicher Frömmigkeit in Sachsen (Habilitationsprojekt)

Aus der umfangreichen Bibliothek der 1540 aufgehobenen und seinerzeit sehr bedeutenden Zisterzienserabtei Altzelle im heutigen Sachsen ist eine Anzahl deutscher Texte und Textsammlungen, vornehmlich Bibelübersetzungen (ein deutsch-lateinischer Psalter, das ‚Evangelienbuch’ für Matthias Beheim) und Predigten, handschriftlich überliefert. Diese Gruppe von Handschriften (der weitaus größte Teil befindet sich heute in der UB Leipzig) lässt sich größtenteils mit dem Abbatiat des Abts Vincenz Gruner (1411-42) in Verbindung bringen, in dessen Zeit auch die Weihe einer Konversenkirche im Kloster fällt.
Die Arbeit möchte diese Handschriftengruppe zunächst sichten und beschreiben sowie innerhalb der rekonstruierbaren Bibliotheksbestände verorten, um sie dann an den sozial- und Bildungsgeschichtlichen Hintergrund des Klosters anzubinden, der sich neben der gut aufbereiteten Bau-, Wirtschafts- und Ereignisgeschichte des Klosters v.a. in der ‚Expositio missae’ Vincenz Gruners oder den zur gleichen Zeit in Altzelle aufgeschriebenen Psalmenkommentaren des Matthäus von Königsaal wiederspiegelt.

 

Christoph Schanze: Tugendlehre und Wissensvermittlung. Teilkommentar und Studien zum Welschen Gast Thomasin von Zerklaere.

Bericht folgt

 

Alwine Slenczka: ‘Verserzählungen im 13.–15. Jahrhundert im Grenzbereich zwischen geistlicher und weltlicher Literatur’ (publiziert: Waxmann 2004)

Anhand von Erzählungen des 13. bis 15. Jahrhunderts im Grenzbereich zur weltlichen und geistlichen Literatur habe ich herausgearbeitet, wie sich ein primär funktionsgebundenes Erzählen das der theologischen Belehrung, der Erbauung oder der moralischen Mahnung dient, verhält zu einem Erzählen aus der Lust an Sprache und Sensation. Ich setze dabei insbesondere bei Teufelserzählungen an – der Teufel agiert selbst im Grenzbereich zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist es, den erzählerischen Umgang mit dem Teufel als Protagonisten in deutschen Verserzählungen des 13. bis 15. Jahrhunderts von seiner Funktion in lat. Legenden und Exempeln und deren deutschen Prosaentsprechungen abzugrenzen. Neben erzähltechnischen Fragen gilt es auch zu berücksichtigen, wie theologisches Wissen aus lateinischer Literatur in volkssprachliche Texte transferiert wird.

 

Anette Sosna ‘Fiktionale Identität im höfischen Roman um 1200' (publiziert: Hirzel 2003)

Das Verhältnis von Mittelalter und Neuzeit im Bereich der Identitäts- und Individualitätsproblematik ist weitgehend durch zwei Forschungstendenzen geprägt: Zum einen werden Mittelalter und Neuzeit einander gegenübergestellt, um die jeweilige Unmöglichkeit bzw. Möglichkeit eines Problembewußtseins bezüglich Identität und Individualität herzuleiten. Zum anderen wird eine "Renaissance des 12. Jahrhunderts" konstatiert, mittels derer sich die "Entdeckung" der Individualität historisch immer weiter vorverlegen läßt. Im Unterschied zu diesen Forschungstendenzen geht die Dissertation davon aus, daß ein Problembewußtsein von Identität und Individualität zu allen Zeiten gegeben ist, sich jedoch historisch auf unterschiedliche Weise konkretisiert und aktualisiert. Zu fragen ist folglich nach den für einen Zeitraum spezifischen Bedingungen der Produktion von Identität und Individualität bzw. nach den Medien, in denen die Reflexion über Identität und Individualität ihren Ort hat. Den Schwerpunkt der Dissertation bilden literarische Texte, beispielhaft der höfische Roman um 1200 (Hartmann von Aue: Erec, Iwein; Gottfried von Straßburg: Tristan; u. a.), als ein mögliches Medium dieser Reflexion. Ziel der Dissertation ist es, nicht nur ein fundiertes theoretisches Instrumentarium für den literaturwissenschaftlichen Umgang mit den Konzepten Identität und Individualität zu erstellen, sondern überdies einen Zugang zu den ästhetischen Möglichkeiten der Thematisierung von Identität und Individualität im (Hoch-)Mittelalter zu gewinnen.

 

Antje Wittstock: ‘Die Rezeption des Florentiner Neuplatonismus und seiner Melancholievorstellung im deutschen Humanismus’ (abgeschlossen)

Beschreibung folgt.

 

Nicola Zotz: ‘Romanisch-deutsche Literaturbeziehungen im Bereich des Minnesangs’ (publiziert 2005)

Der Minnesang, d. h. die klassische Lyrik des deutschen Mittelalters, ist entscheidend geprägt und beeinflußt worden durch die altokzitanische und die altfranzösische Lyrik. Dabei bietet die romanische Dichtung ein deutlich anderes Bild als die deutsche, unter anderem was die Darstellung der Minneherrin, die Einbeziehung der Gesellschaft und die Aufführungsform der Dichtung betrifft. Eine Reihe von deutschen Liedern greift nun aber in Melodie, Gedichtform und auch in inhaltlicher Hinsicht direkt auf romanische Vorbilder zurück. Die Anleihen können sich auf einzelne Motive beschränken, wobei die Dichter bisweilen aus verschiedenen Vorlagen für ein einziges Gedicht schöpften, sie können aber auch ganze Strophen oder Lieder betreffen. Somit wird das romanische Gedanken- und Dichtgut in die deutsche Literatur herübergetragen, wobei die verschiedenen Sichtweisen reizvoll überblendet werden. Das Vorhaben dieser Dissertation ist es, jene Überblendung und Vermischung der eigentlich verschiedenen Dichtungsweisen detailliert zu untersuchen, wobei insbesondere der Dichter Rudolf von Fenis seiner vielen Übernahmen aus dem Romanischen wegen im Zentrum des Interesses stehen wird. Hierbei soll das Phänomen der Kontrafaktur genauso beleuchtet werden wie der enge Kontakt zwischen der romanischen und der deutschen Dichtung und die daraus sich ergebenden Konsequenzen für das Bild der deutschen Lyrik des Mittelalters.