Forschung

Die Tübinger Skandinavistik hat einen literaturwissenschaftlichen Forschungsschwerpunkt und beschäftigt sich mit Fragestellungen aus der neueren und der mittelalterlichen Literatur, insbesondere der Phantastik, Migrationsliteratur, Reiseliteratur, Skaldik, Übersetzung, Exotismus etc.

 

Informationen zu laufenden Dissertationsprojekten innerhalb der Skandinavistik finden sich hier.

 

 

Forschungsprojekte:

Stefanie Gropper: Übersetzung im Mittelalter

Meine Untersuchungen basieren auf einem weit gefassten Begriff der Übersetzung (translatio), der sowohl synchrone als auch diachrone Aspekte wie auch den Aspekt des kulturellen Transfers einschließt. Übersetzung ist damit nicht nur interlingual zu verstehen, d.h. als Prozess der Übertragung eines Textes von einer Sprache in eine andere, sondern auch intralingual, d.h. als kultureller Transfer, der sich im Lauf der Transmission eines Textes vollzieht. Beispiele für solche komplexen Transferprozesse sind die Veraldarsaga, die aus volkssprachigen und lateinischsprachigen Vorlagen entstanden ist sowie die Trójumanna saga und die Bretasögur, für die lateinische historiographische Texte übersetzt wurden, die aber im Lauf der volkssprachigen Transmission für unterschiedliche literarische Zwecke funktionalisiert wurden.

Zu diesem Thema gibt es an der Universität Oslo eine internationale Forschergruppe, an der ich beteiligt bin:

http://www.hf.uio.no/iln/forskning/forskergrupper/norron/prosjekter/TTT/index.html

 

Ingrid Hotz-Davies/Stefanie Gropper: Exzentrizität in der Literatur

Unser Ausgangspunkt sind die von Ina Schabert als "foot-off-the-ground-novels" bezeichneten Texte englischer Autorinnen der 20er und 30er Jahre des 20. Jhs., zu denen es auch innerhalb der skandinavischen Literaturen Parallelen gibt, wie z.B. die Erzählungen von Karen Blixen. Alle diese Texte weisen untereinander auffallende Ähnlichkeiten auf, unterscheiden sich andererseits doch aber wieder so stark voneinander, dass eine Etikettierung, geschweige denn eine literaturhistorische Einordnung schwer fällt. Diese Texte stehen außerhalb des Kanons, außerhalb kurrenter literarhistorischer Strömungen, können aber aufgrund ihrer Qualität und auch ihrer Wirkung nicht als marginale Texte bezeichnet werden, sondern sie nehmen innerhalb der Literatur eine exzentrische Position ein.  Unser Projekt befasst sich damit, was diese Exzentrizität ausmacht. Unsere bisherige Arbeit hat gezeigt, dass Exzentrizität ein Positionierungsverfahren ist, das sich in den Texten sprachlich, strukturell, aber natürlich auch inhaltlich nachweisen lässt.